Fast die Hälfte aller Auffahrunfälle kann mit Hilfe radarbasierter Sicherheitssysteme wie Kollisionswarnung und adaptivem Bremsassistent vermieden oder deren Unfallschwere vermindert werden. Dies geht aus den detaillierten Analysen der Mercedes-Benz Unfallforschung hervor. Hier flossen die Erfahrungen mit den Mercedes-Innovationen DISTRONIC PLUS und BAS PLUS ein. Jetzt übernimmt das Unternehmen auch in der Kompaktklasse die Innovationsführerschaft und führt radarbasierte Kollisionswarnung mit adaptivem Bremsassistent noch in diesem Jahr auf breiter Front in der künftigen A- und B-Klasse ein. Im Unterschied zu auf dem Markt befindlichen Systemen in dieser Klasse handelt es sich bei dem neuen Brems-Assistenten nicht um ein reines Stadtsystem zur Minimierung von Bagatellschäden. Vielmehr zielt die innovative Lösung auf den Schutz vor typischen Auffahrunfällen in allen Verkehrssituationen.

Auffahrunfälle sind in Deutschland heute noch für zirka 22 Prozent aller Unfälle mit Verletzten oder Getöteten verantwortlich, in den USA sind es sogar 31 Prozent. Seit Jahrzehnten arbeitet Mercedes-Benz daran, diese Unfälle zu verhindern. Meilensteine der Sicherheitsentwicklung des Unternehmens waren zum Beispiel ABS (1978), der Bremsassistent BAS (1996), Abstands-regeltempomat DISTRONIC (1998) und die Weiterentwicklung DISTRONIC PLUS mit BAS PLUS (2005). Premiere feierten die neuen Systeme jeweils in Modellen der Luxusbaureihen. Für Mercedes-Benz galt im Interesse der Verkehrssicherheit stets die Devise, innovative Technik möglichst schnell möglichst breit verfügbar zu machen – auch über die eigenen Modelle hinaus. So zählen ABS und BAS heute, wie übrigens auch die Mercedes-Entwicklung ESP®, zur Standardausrüstung praktisch aller Pkw.

Neuer Brems-Assistent: Meilenstein in der Sicherheitstechnik

Der nächste Meilenstein in der Demokratisierung automobiler Sicherheitstechnik folgt noch in diesem Jahr: Mit Einführung der neuen Generation der B-Klasse und wenig später der A-Klasse macht Mercedes-Benz eine radarge­stützte Kollisionswarnung mit adaptivem Bremsassistenten weltweit erstmals in Fahrzeugen der Kompaktklasse verfügbar. Das Unternehmen erwartet, damit signifikant positiv auf das Unfallgeschehen einwirken zu können: „Unser Ziel ist es, die Zahl schwerer Unfälle auf breiter Front weiter zu vermindern. Wir gehen nach detaillierten Analysen von Unfalldaten davon aus, dass mit dieser radarbasierten Technik zirka 20 Prozent aller Auffahrunfälle vermieden werden können und bei weiteren 25 Prozent die Unfallschwere gesenkt werden kann“, erläutert Ulrich Mellinghoff, Leiter der Mercedes-Sicherheitsentwicklung.

Versuchsergebnisse untermauern diese Einschätzung: Bei Tests mit 110 Autofahrern im Fahrsimulator sank die Unfallquote dank der Kombination aus Kollisionswarnung und adaptiver Bremsassistenz in drei typischen Situationen von 44 auf elf Prozent.

Hohe Akzeptanz von BAS PLUS bei den Autofahrern

Bereits heute genießen DISTRONIC PLUS und der Bremsassistent BAS PLUS eine hohe Akzeptanz unter Mercedes-Kunden. Das zeigt auch eine aktuelle Befragung von Autofahrern, deren Fahrzeuge damit ausgerüstet sind. 87 Prozent der Befragten beurteilten die Abstandswarnung positiv, 41 Prozent hatten nach einem Jahr Haltedauer schon einmal einen Eingriff des Bremsassistenten PLUS erlebt. Zitate der Autofahrer sprechen für sich:

„Also es kommt ja mal vor, man unterhält sich mal im Auto, und wenn der nicht gepiept hätte, dann wäre ich glatt hinten draufgedonnert.“

„Man ist nicht allein gelassen, und es kommt doch mal vor, dass man unachtsam ist, und dann hat man einfach diese Warnung.“

„Auffahrunfälle werden dadurch stark verringert. Es gibt immer mal einen Moment, wo man doch nicht richtig aufpasst, und dann ist man ruck, zuck aufgefahren. Durch den Warnton wird die Aufmerksamkeit sofort wieder hergestellt. Und dann kann man immer noch bremsen, es reicht aus.“

Genau dieses Anforderungsprofil erfüllt das neue Assistenzsystem, das noch in diesem Jahr für das Kompaktwagensegment in den Markt eingeführt wird: Es warnt den eventuell unaufmerksamen Fahrer optisch und akustisch undbereitet den Bremsassistenten auf eine punktgenaue Bremsung vor. Diese wird eingeleitet, sobald der Fahrer das Bremspedal deutlich betätigt.

Die wichtigsten Funktionen der kommenden Generation

Die radargestützte Kollisionswarnung mit adaptivem Bremsassistenten

  • erkennt einen zu geringen Abstand zu Vorausfahrenden im Geschwindigkeitsbereich zwischen 30 und 250 km/h,
  • erkennt, wenn sich der Abstand vermindert. Bei einer drohenden Kollisionsgefahr wird der Fahrer optisch und akustisch gewarnt,
  • kann stehende Hindernisse in Fahrtrichtung erkennen und entsprechende Warnungen ausgeben,
  • erkennt spezielle Fahrsituationen, zum Beispiel Kolonnenverkehr und passt die Auslöseschwelle für die Warnung und den adaptiven Bremsassistenten daran an,
  • berechnet bei erkannter drohender Kollisionsgefahr genau die Bremskraft, die benötigt wird, um idealerweise den Aufprall noch zu vermeiden, und nutzt den zur Verfügung stehenden Restweg bestmöglich aus. So hat auch der nachfolgende Fahrer bessere Chancen, seinerseits ein Auffahren zu vermeiden.
  • Der Bremsdruck wird nachgeregelt, falls sich die Situation verändert – wird vorne beschleunigt, wird zurückgeregelt auf den Bremswunsch des Fahrers; wird der Abstand auf fahrende und anhaltende Fahrzeuge geringer, wird der Bremsdruck noch weiter erhöht.
  • Präventive Sicherheitssysteme (PRE-SAFE®) können bei Bedarf aktiviert werden (z.B. Gurtstraffer).
  • Das neue System erfüllt die wesentlichen „Forward Collision Warning“-Anforderungen der US-amerikanischen Behöre für Straßen- und Fahrzeugsicherheit (NHTSA).

Mehr Erfahrung mit Assistenzsystemen als alle anderen Hersteller

Mercedes-Benz verfügt unter allen Autoherstellern über die umfangreichste Erfahrung mit Assistenzsystemen. Ulrich Mellinghoff, Leiter der Mercedes-Sicherheitsentwicklung, erläutert: „Die Feinabstimmung der Systeme erfordert umfassendes Know-how und ist entscheidend für die Kundenakzeptanz und Wirksamkeit. Systeme werden nur akzeptiert, wenn sie zuverlässig funktionieren und es nur selten zu Falsch- oder Fehlauslösungen kommt.“

Neben Voruntersuchungen zur fahrerorientierten Systemauslegung im Fahrsimulator werden die Systeme in der Entwicklung daher durch umfassende kundennahe Fahrerprobungen abgesichert. Dafür werden Fahrzeuge mit Messtechnik zur Erfassung fahrdynamischer Kennwerte sowie mit Videokameras zur Erfassung der Verkehrssituation ausgerüstet. Die Fahrer haben über ein Eingabegerät die Möglichkeit, das Verhalten der Assistenten rückzumelden und zu beurteilen, ob der Eingriff in Ordnung war oder nicht. Bei exakt 198.828 Messungen über eine Gesamtstrecke von 1.130.215 Kilometern wurden dabei bislang die Erfahrungen von 608 Fahrern aufgezeichnet und analysiert. Darunter waren allein über 5.000 Abstandswarnungen, die bei der Systemoptimierung berücksichtigt wurden.