Stuttgart – Noch heute sieht man die Mercedes-Baureihe W 124 im Einsatz: Sei es als Taxi, Coupé in Liebhaberhand oder gepflegtes Cabrio. Kaum zu glauben, dass die spätere E-Klasse bereits 25 Jahre alt wird. Dabei war der Stern-Träger besonders am Anfang seiner Karriere nicht unumstritten.

Durchdachte Linienführung

Erstmals offiziell vorgestellt wird der W 124 Ende November 1984 im spanischen Sevilla. Dort zeigt Mercedes die neue Limousine der oberen Mittelklasse. Die Motorenpalette reicht zunächst vom 200 D mit vier Zylindern und mageren 72 PS bis zum 300 E mit sechs Zylindern und 179 PS.

In Design und Technik übernimmt die Baureihe Elemente des zwei Jahre zuvor präsentierten 190. So wurde das Design betont windschlüpfrig gestaltet, mit einem cW-Wert von bis zu 0,29 unterbietet der neue Benz seinen Vorgänger W 123 deutlich.

Doch im Gegensatz zu diesem ist der 124er betont nüchtern und funktional gestaltet. Große Plastikstoßfänger und kein Chrom: ein Schock für die Traditionalisten. In die Kritik gerät auch der hubgesteuerte Einarm-Scheibenwischer, der zwar 86 Prozent der Frontscheibe säubert, aber zu Schlierenbildung neigt.

Noch härter treffen Mercedes jedoch die Proteste erzürnter Taxifahrer, die Qualitätsmängel beanstanden. Diese Startschwierigkeiten bekommt man schnell jedoch in den Griff, zügig geht es an den Ausbau der Modellpalette.

Nie dagewesene Variantenvielfalt

Auf der IAA steht im September 1985 in Frankfurt das T-Modell, welches viele Fans für den schönsten Mercedes-Kombi aller Zeiten halten. Ab September 1986 zählt der Katalysator in allen W 124 zur Serienausstattung. Auf dem Genfer Salon im März 1987 debütiert das Coupé, welches zunächst nur als 230 CE und 300 CE angeboten wird, einen Diesel gibt es für den Zweitürer nie. Durch eine Veränderung der Bodengruppe wird der Radstand um 8,5 Zentimeter verkürzt.

Erstmals gibt es zudem ein Allradsystem in einer Mercedes-Limousine zu kaufen. Für immense 12.000 Mark extra ist der automatisch zuschaltende Vierradantrieb 4matic an Bord. Wie schon beim Vorgänger liefert Mercedes auch beim W 124 Fahrgestelle mit Teilkarosserie an Aufbauhersteller. Dort entstehen unter anderem Bestattungsfahrzeuge und Krankenwagen. Ab 1989 bietet Mercedes selbst den vielleicht skurrilsten W 124 an: eine sechstürige Limousine mit 80 Zentimeter mehr Radstand.

Dreizehn Jahre im Programm

Um den W 124 frisch zu halten, wird er im Laufe seines Lebens mehrmals überarbeitet, Mercedes-Fans sprechen liebevoll von „Mopf“, der Abkürzung für „Modellpflege“.

So ist 1989 auch für die Stuttgarter ein Jahr der Veränderung: Der W 124 wird gründlich modifiziert und bekommt als wichtigstes optisches Merkmal farblich abgestimmte seitliche Flankenschutzleisten. Diese werden bald nach dem Designer der Baureihe „Sacco-Bretter“ genannt. Ein weiterer wichtiger Punkt: Im Innenraum gibt es nun deutlich mehr Holz.

Im Oktober 1990 kommt das Topmodell der Baureihe auf den Markt. Der bei Porsche gebaute 500 E holt aus acht Zylindern 326 PS, genug, um den Sprint auf 100 km/h in 5,9 Sekunden zu erledigen.

1992 folgt das 300 CE-24 Cabriolet, der offene Viersitzer ist heute bei Fans heiß begehrt. Weitere Überarbeitungen bescheren dem W 124 in der Folgezeit moderne Vierventil-Benziner, einen Fahrer-Airbag, eine neue Kühlermaske, weiße Blinker und ab 1993 den Namen E-Klasse.

Heute kaum noch vorstellbar: Erst ab Oktober 1992 bekommen die Vierzylindertypen eine Fünfgang-Schaltung serienmäßig. Im Juni 1995 stellt Mercedes die Baureihe 210 mit dem Vier-Augen-Gesicht vor, das T-Modell des 124 läuft noch bis 1996, das Cabrio bis 1997 vom Band. Insgesamt entstehen etwas mehr als 2,5 Millionen Fahrzeuge. Fans sehen den W 124 inzwischen als „letzten echten Mercedes“ an, seit einiger Zeit ist die Baureihe als Youngtimer anerkannt.

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Quelle: web.de